Die Welt ist eine Einheit

Lantis betrachten die Welt nicht als Eigentum, mit dem man machen kann, was man will. (Zum Beispiel ausbeuten.) Sie sehen die Welt als Lebensraum, den man sich mit anderen Lebewesen so teilen muss, dass alle zu ihrem Recht kommen. Dazu gehören Tiere und tatsächlich auch Pflanzen.

Als die intelligentesten Lebewesen in diesem Dreiklang sehen sie sich in besonderer Verantwortung, für gerechten Ausgleich zu sorgen. Der Hohe Rat (quasi ihre Weltregierung) herrscht nicht über die Welt, sondern ist für die Lantis verantwortlich. Der Vorsitzende, in meiner Geschichte heißt er Elator, vertritt die Stimme der Lantis. Gleichberechtigt daneben gibt es die Stimme der Tiere und Pflanzen. Sie wird von Yra vertreten, die den Titel „Mutter Natur“ trägt.

Jetzt, wo die Lantis in unserer Zeit aufgetaucht sind, treten die Menschen auf den Plan. Eine neue Partei, die ebenfalls eine Stimme braucht. Das wird Anne Winkler (mit dem Titel „Mutter des Lebens“). Das wird nicht einfach, denn die Menschen sind es nicht gewohnt, andere Stimmen neben sich zu dulden. Stellen Sie sich das mal vor, wenn die Tiere Stimmrecht bei Entscheidungen hätten. Unsere Welt würde garantiert anders aussehen. Was wir Menschen niemals zulassen würden. Aber wäre dann wirklich alles schlechter?

Was die Menschen erst langsam herausfinden – und schnell oft wieder verdrängen:

Tiere sind keine lebendigen Sachen, sondern lebendige Wesen. Wussten Sie, dass Tiere Freundschaften schließen können, Werkzeuge bauen, sich schämen können, Zeichensprache verstehen, gerne spielen, Spaß haben, sich freuen und trauern? Dass sie kommunizieren, Sozialverhalten zeigen, sich helfen? Natürlich nicht alle gleich. Aber erstaunlich ist es schon. Wenn man sich das wirklich bewusst macht, versteht man, warum Yra Fleisch essen als Verzehr von Leichenteilen bezeichnet.

Und die Pflanzen? Selbst hier entdecken die Wissenschaftler Erstaunliches. Auch Pflanzen kommunizieren: Durch Düfte oder durch elektrische Signale über ein vernetztes Wurzelwerk. Sie warnen andere Pflanzen oder rufen Hilfe herbei (tatsächlich!). Sie versorgen ihre Kinder (z. B. aus herabgefallenen Bucheckern) mit Nährstoffen, bis eine Lücke im Blattwerk eines Waldes entsteht und sie genug Licht bekommen, um selbst wachsen zu können. Manchmal hundert Jahre lang. Natürlich kann man das nicht mit unserem Denken und Handeln vergleichen, aber ein Wald ist keinesfalls nur eine Ansammlung von einzelnen Pflanzen.

Die Lantis versuchen, diese Erkenntnisse in ihr Leben und ihren Umgang damit umzusetzen. Das hat Auswirkungen, nicht nur auf ihre Speisekarte.