Krieg um den MondLeseprobe1.Houston, Texas„Abschalten! Abschalten!“, brüllte Gordon.Von einer Sekunde auf die andere war seine Müdigkeit wie weggeblasen. Eine Woge Adrenalin überschwemmte seinen Körper.„Abschalten!“, brüllte er wieder, aber niemand führte seinen Befehl aus. Was nützte es, der Leiter eines großen Teams zu sein, wenn niemand da war, dem man Anweisungen geben konnte. Hätte er Balton nicht zu Beginn der Nachtschicht gefeuert, dann müsste er jetzt nicht selbst hier sitzen.‘Hätte’, ‘müsste’, das half ihm nicht.„Verdammt!“, entfuhr es ihm. Mit fliegenden Fingern blätterte er in der Handlungsanweisung, schleuderte sie aber sofort unwillig auf den Fußboden. Zum Lesen war keine Zeit. In rasender Eile klickte er sich durch die Menüs auf dem Monitor. Da, endlich: Internetübertragung unterbrechen.Erst jetzt hatte sein Körper Zeit zu schwitzen. Er tat es aus allen Poren. Gordon sah auf die Uhr: 20 Sekunden. Jede Sekunde davon war eine zu viel. Aber sie ließen sich nicht mehr zurückdrehen.Gordon wischte sich die Schweißtropfen weg, die in seinen Augen brannten. Die Bildübertragung vom Mond zeigte wieder graues Gestein. Der automatische Rover war auf seinem Kurs weitergefahren. Mit seinem Überrangpasswort nahm Gordon ihn in manuelle Steuerung. Vorsichtig wendete er. Bloß jetzt keinen Fehler machen. Dann wäre alles verloren. Da war es wieder. Er zoomte mit der Kamera so nah heran wie möglich.„Unglaublich!“, flüsterte er tonlos.2.Hofheim, zwei Monate vorher„Au!“ Ein Schmerzimpuls jagte von ihrem Fuß bis ins Gehirn.Anne liebte es, barfüßig auf ihrem weichen Flokati-Teppich zu laufen, aber heute war nicht ihr Tag. Etwas Scharfes bohrte sich in ihre Fußsohle. Gerade in der Mitte, wo die Haut am zartesten war und es besonders weh tat. Annes Hand tastete zu der schmerzenden Stelle, bis sie etwas Hartes fühlte. Nicht besonders groß, aber spitz. Vorsichtig zog sie daran, bis sie das Teil in der Hand hielt: eine Schraube, die sich anscheinend im hohen Flor des Teppichs versteckt hatte.Anne humpelte zu ihrem Schreibtischstuhl und hinterließ bei jedem Schritt einen kleinen, roten Fleck auf dem Weiß ihres Teppichs.„Scheiße!“Diese Flecken ärgerten sie mehr als die Verletzung. Das war mit einem Pflaster schnell erledigt, aber die Flecken würden Arbeit machen. Ärgerlich wollte sie die Schraube in eine Ecke werfen, beherrschte sich aber noch rechtzeitig. Dann hätte sie nur lange suchen müssen. Die Schraube wurde noch gebraucht. Sie stammte offensichtlich von ihrem Schreibtischstuhl, denn die Sitzfläche wackelte beim Hinsetzen. Er war wirklich schon in die Jahre gekommen und das Sitzpolster war abgewetzt, aber das war ihr egal. Anne suchte einen Platz auf ihrem Schreibtisch, wo sie die Schraube bis zur Reparatur deponieren konnte, ohne dass sie in Bergen von Papier unterging. Seit sie mit ihrer Promotion begonnen hatte, türmten sich die Entwürfe ihres Manuskripts übereinander. Die Briefwaage bot sich an. Sie wurde fast nie gebraucht und ragte über die Lagen von Papier heraus. Ein Geschenk zu Weihnachten, eines der wenigen modernen Stücke, die Anne besaß. Die Waage schaltete sich automatisch ein, sobald etwas darauf gelegt wurde. 9,5 Gramm zeigte die Digitalanzeige sofort.Anne staunte: „Keine zehn Gramm und so ein Ärger.“Sie hatte nicht die geringste Ahnung, dass ein sehr ähnliches Teil ihr Leben radikal verändern würde - und nicht nur ihres.Neugierig wie es weitergeht?Ein Klick aufs Bild führt Sie zum kompletten Buch.Unter “Blick ins Buch” gibt es auch noch eine längere Leseprobe.